Traumjob Streamerin? – EisMelone hautnah.
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Traumjob Streamerin? – EisMelone hautnah.

Sep 15 Adrian  

Influencen, Onlyfans, Werbung, Unterhaltung?! Mit ESG-Streamerin EisMelone sprechen wir über die Streaming- und Gamingszene und hinterfragen aktuelle Trends.

Würdest du dich selbst als Influencerin beschreiben? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

Nein. Ich bin der Meinung, dass die Bezeichnung ‘Influencer’ bedeutet, dass jemand durch die Werbung, die er oder sie für verschiedene Dinge macht, Geld verdient. Sie nehmen sozusagen durch Werbung Einfluss auf potenzielle Käufer. Ich selbst mache kein Geld durch Werbung, also würde ich mich auch nicht als Influencerin bezeichnen.

Fangen wir von vorne an: Skizziere deinen Weg in den Gaming-Bereich. Was war dein erstes Spiel, das du gezockt hast? Was spielst du heute noch am liebsten?

Sims war bei mir – wie bestimmt bei vielen anderen auch – das erste Spiel, das ich am PC gespielt habe. So richtig in den Gaming-Bereich bin ich durch meinen Bruder gekommen, der damals Guild Wars gespielt hat und mich mehr oder weniger gezwungen hat, das auch zu spielen. Am Anfang fand ich es relativ blöd, aber nach und nach hat es mir mehr Spaß gemacht und am Ende habe ich sogar mehr gespielt als er. Durch Guild Wars habe ich auch viele Leute in der Szene kennengelernt.

Heute spiele ich eigentlich immer noch am liebsten MMOs, auch wenn sich meine Präferenzen alle paar Jahre wieder ändern. Momentan spiele ich viel WoW. Ich finde es gut, dass man seinen eigenen Charakter hat, der sozusagen eine Entwicklung durchmacht. Wenn ich z.B. zwei Stunden WoW spiele, dann weiß ich am Ende, dass ich meinen Charakter verbessert habe. Man sieht also ein Ergebnis. Wenn ich das jetzt mit League vergleiche, ist es da schon anders: Nach zwei Stunden kann es da durchaus passieren, dass man noch weniger LP als vorher hat. Die zwei Stunden hat man also verschwendet.

Seit wann streamst du und was war bislang dein bester und dein schlechtester Moment dabei?

Zum Streamen kam ich durch meine Gilde in Guild Wars 2, da wir damals auf unterschiedlichen Wegen versucht haben, weitere Mitglieder für unsere Gilde zu finden. Als Speedrun-Gilde haben wir von unseren Speedruns auch YouTube Videos gemacht und eben auch gestreamt. Irgendwann bin ich da dann reingerutscht und habe begonnen, selbst zu streamen.

Hat dich das Überwindung gekostet?

Ja, sogar sehr. Am Anfang habe ich ohne Mikro und ohne Cam gestreamt. Irgendwann habe ich mein Mikro dann eingeschaltet, aber mich selbst viel leiser gestellt als die anderen. Das lag daran, dass ich mir zu meiner Stimme immer mal wieder negative Kommentare anhören musste und ich sie selbst nicht so mochte. Mit der Zeit hat sich das aber gebessert und ich habe mich irgendwann auch getraut, die Kamera einzuschalten.

Okay, nochmal zurück: Was war dein bester und dein schlechtester Moment?

Mein geilster Moment war wohl der Moment, als ich Partner wurde. Das war ein großes Ziel und als ich das dann erreicht habe, habe ich mich schon sehr gefreut. Es gab aber auch darüber hinaus viele coole Momente, weil man immer mal das Gefühl hat, dass ein Stream besonders gut lief und besonders Spaß gemacht hat.

Blöd ist es hingegen immer, wenn Leute in den Stream kommen, die auf Streit aus sind. Einmal war es der Fall, dass eine größere Gruppe rechter Trolle in meinen Stream kam, die dann auch immer wieder neue Accounts erstellt haben. Es kann auch mal passieren, dass ein anderer Streamer in seinem Stream was Negatives über mich sagt und sich dadurch dann Spannungen entwickeln. Mittlerweile ist es aber so, dass die positiven Seiten die teils negativen Dinge ‘ausblenden’. Persönliche Beleidigungen machen mir eigentlich nichts mehr aus und es interessiert mich auch nicht wirklich. Die Leute werden bei mir im Stream dann einfach gebannt.

Du bist auf Instagram und Twitter ziemlich aktiv. Ist das die Grundvoraussetzung, um als Streamerin erfolgreich zu sein?

Es kommt immer auf den persönlichen Stream an. Natürlich sind große Leute auch auf anderen Plattform (also neben Twitch) aktiv und für bestimmte Leute lohnt es sich, auf mehreren Plattformen auf sich aufmerksam zu machen. So kann ein Sänger mehr davon profitieren als ein Progamer, der eigentlich nur die Zielgruppe auf Twitch abdeckt.

Es gibt auch Leute, die auf Insta und Twitter fast nur Streamankündigungen posten, was ich eher weniger sinnvoll finde, es sei denn, es geht um spezielle Streams, wie z.B. 24h-Streams oder Events. Wenn Leute dir auf Insta oder auf Twitter folgen, dann wollen die in der Regel mehr über dich als Person wissen und nicht nur die Streamankündigungen lesen. Es geht vielmehr darum, mal hinter die Kulissen zu blicken.

Was teilst du mit anderen, was nicht und warum? Gibt es bestimmte Grenzen?

Ja, es braucht meiner Meinung nach Grenzen und ich persönlich habe auch welche. Ich gebe weder meinen genauen Wohnort preis, noch teile ich Fotos von meiner Familie oder von Freunden. Auch meine Tätigkeit als Studentin und damit einhergehende Labortätigkeiten halte ich im Prinzip ganz raus.

Hast du auch einen privaten Account?

Ich habe auch einen privaten Insta-Account, auf dem ich z.B. alten Schulfreunden folge. Eigentlich wollte und will ich meinen Gaming-Account auch vom privaten Account trennen, aber der Insta-Algorithmus hat dafür gesorgt, dass alten Freunden auch mein Gaming-Account vorgeschlagen wurde. Da folgen mir jetzt auch Leute aus meinem echten Leben. Prinzipiell trenne ich das aber eher und es ist mir lieber, wenn mir die Leute aus dem Reallife nicht auf all meinen Gaming-Kanälen folgen.

Welchen Streamern und Influencern folgst du? Wen magst du überhaupt nicht?

Ich folge eigentlich nur Leuten, die ich mag, die ich inspirierend finde oder interessant finde. Ich folge aber auch einigen Fitness-Influencern, weil mich dort der spezifische Content interessiert.

Onlyfans ist ein aktueller Trend in der Onlinewelt: Wie stehst du dazu?

Also generell finde ich es unnötig, andere aufgrund persönlicher Präferenzen anzufeinden. Nur weil sich jemand freizügig zeigt, heißt das nicht, dass derjenige jemandem schadet. Natürlich muss man es nicht gut finden (Ich finde es auch nicht immer gut), aber ich finde es sinnlos, auf jemanden loszugehen, z.B. in Form von anfeindenden Tweets.

Kritisieren sollte man meiner Meinung nach Dinge, die anderen schaden. Ich finde es z.B. problematischer, wenn ein großer Streamer Werbung für Glücksspiel macht. Das würde ich eher kritisieren als jemanden, der sich einen Onlyfans Account gemacht hat.

Ich persönlich finde den aktuellen Onlyfans-Trend nicht unbedingt gut, sondern eher etwas besorgniserregend. Ich glaube auch, dass die Leute nicht immer wissen, welche Konsequenzen das für sie haben könnte. Es ist eine komische Entwicklung, dennoch sollte jeder machen, was er für richtig hält. Mit der Freizügigkeit an sich schadet man anderen ja nicht.

Wie stehst du zum Thema E-Sport? Unterscheidet sich der professionelle E-Sport vom ‘einfachen’ Gaming?

Ja, das sind für mich durchaus zwei verschiedene Bereiche. Der E-Sport ist von der Grundstruktur eben eher professionell angelegt. Daneben gibt es aber ganz viele, die nur casual spielen, also aus Spaß.

Wie nimmst du die deutsche E-Sport-Szene wahr? Verfolgst du Events?

Es kommt immer darauf an. Wenn ich die Leute kenne, die gerade in den Teams spielen, dann verfolge ich die Szene durchaus. Ich schaue mir bei Gelegenheit auch mal Events an, bin ehrlich gesagt aber nicht so bewandert in der deutschen E-Sport-Szene. Ich kenne jetzt nicht unbedingt Profispieler, sondern nur solche, die gleichzeitig auch streamen.

Ich persönlich habe nicht den Anspruch, unglaublich gut in einem Spiel zu werden, z.B. in League of Legends. Daher nehme ich aus Profispielen nicht so viel mit. Mir ist der Unterhaltungswert wichtiger. Ein Worlds Finale ist natürlich cool und interessant, aber ich würde durchaus einen unterhaltsamen Stream einem regulären Prime League Match vorziehen.

Glaubst du, die deutsche Szene ist professionell genug, um international mitzuhalten?

Ich denke schon, dass die deutsche Szene auf einem guten Weg ist. Am Beispiel der EU Masters hat man ja bereits gesehen, dass die deutschen Teams gut aufgestellt sind. Durch die Prime League und zuvor auch durch die Premier Tour kam auch mehr Geld durch Sponsoren in die Szene, sodass ich davon ausgehe, dass das Ganze in die richtige Richtung geht.

Kommen wir zu einem ganz anderen Thema: Vegane Ernährung = gesunde Ernährung?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Es ist wie mit jeder Ernährung: Man kann vegan und gesund leben, aber auch als Veganer nur Fast Food essen und dementsprechend ungesund leben.

Ich glaube, dass die Mehrheit der Menschen insgesamt ungesund lebt, gerade aufgrund des hohen Fleischkonsums. Wenn man aber moderat isst und neben Fleisch auch Gemüse usw. isst, dann kann man ebenso gesund leben. Fleisch ist nicht notwendig, in Maßen aber auch nicht ungesund.

Das ewige Klischee: Veganer/Vegetarier nerven, weil sie jedem mitteilen müssen, dass sie vegan leben und versuchen, andere davon zu überzeugen. Erfüllst du das Klischee?

Ich würde sagen: nein. Ich hänge es eigentlich nicht an die große Glocke, dass ich vegan lebe, sondern es sind eher Freunde von mir, die das anderen erzählen und Witze darüber reißen, um mich aufzuziehen.

Ist es leicht, sich vegan zu ernähren?

Am Anfang kostet es auf jeden Fall viel Zeit, weil man sich darüber informieren muss, über welche Wege man die Nährstoffe bekommt. Im Supermarkt muss man sich neu orientieren und schauen, was man kaufen kann und was nicht. Außerdem muss man neue Rezepte finden. Alles in allem gewöhnt man sich aber schnell daran.

Es gibt bereits gute Alternativen, aber ich würde davon abraten, nur Ersatzprodukte zu essen. Dennoch wäre es schön, wenn insgesamt mehr Leute Ersatzprodukte essen würden, weil dann vielleicht die Preise etwas sinken, denn aktuell sind Ersatzprodukte noch relativ teuer.

Dein Lieblingsgericht vegan und nicht vegan?

Vegan: Thai-Curry mit Gemüse. Nicht vegan: Früher habe ich gerne Käse gegessen, dementsprechend würde ich sagen: Spaghetti mit einer Käse-Sahne-Soße.