Gegneranalyse – Ich weiß was Du tust!
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Gegneranalyse – Ich weiß was Du tust!

Oct 18 Adrian  

Gegner analysieren, Demos anschauen, Antistrats überlegen – Wie läuft das ab, wozu ist es gut und wer macht es in unserem Team? Coach Duck hat die Antworten parat.

Was ist eine Gegneranalyse und welchen Vorteil kann sie bringen?

“Man schaut sich generell an, wie der Gegner spielt. Daran kann man seine eigenen Taktiken dann anpassen. Das gibt es nicht nur in CS, sondern natürlich auch in anderen Sportarten, wie z.B. Fußball. Man kann durch eine Gegneranalyse z.B. rauslesen, welche Positionen die einzelnen Spieler einnehmen, was wiederum im späteren Spiel helfen kann.

Eine Gegneranalyse beginnt in der Regel immer ganz grob: Wer spielt wo? Wer lurkt auf der T-Seite? Wer bewegt sich wohin? Von dieser groben Herangehensweise bewegt man sich dann relativ schnell ins Detail. An einzelnen Runden kann man dann genau eruieren, welche Nades geworfen werden, welche Runden oft gleich gespielt werden, etc.”

Welche Aspekte kann man dadurch verbessern? Spielen Teams wirklich so individuell, dass sich Analysen lohnen?

“Prinzipiell würde ich sagen, dass viele relativ eindimensional spielen. Das bedeutet, dass es eigentlich bei jedem Team Tendenzen gibt, die man rauslesen kann. Wenn man eine Runde der Gegner kennt, dann kann man im Spiel selbst auch erkennen, wenn eine Runde 1-zu-1 so gespielt wird, weil die Nades, Wege usw. dieselben sind. Man muss sich aber auch nicht immer aufs gesamte gegnerische Team konzentrieren, sondern auch einzelne Spieler können Gegenstand der Analyse sein. So kann man sich beispielsweise anschauen, wer generell welche Nade wirft, wer auf welchen Move wie reagiert oder wer bei einem Go welche Rolle einnimmt. Zur Ausgangsfrage: Man kann sein Spiel durchaus verbessern, da jeder Spieler gewisse Tendenzen hat, die man analysieren kann.”

Kann man auch ohne eine Gegneranalyse gewinnen?

Klar, wenn man das bessere Team ist, braucht man nicht unbedingt die Analyse. Da reicht es oftmals, wenn man durch anderen Skill überzeugt. Die Frage ist aber immer: Wie knapp ist der Skillunterschied? Wenn die Gegner viel schlechter sind, dann kann man sie oft outaimen. Bei einem knapperen Skillunterschied sollte man allerdings darauf achten, seine Chancen durch eine Gegneranalyse zu maximieren.

Wenn es rein um Aimduelle gehen würde, dann kann man auch einfach eine Münze werfen. Wenn man aber die Tendenzen der Gegner einschätzen kann, dann kann man seine eigenen Chancen enorm erhöhen.”

Versteift man sich durch eine Gegneranalyse nicht zu sehr auf taktische Komponenten?

“Ja, das kann sein, denn Gegner können auch absichtlich etwas völlig anderes spielen. Genau deswegen sollte man sich auf Tendenzen konzentrieren.

Man darf dennoch nicht zu viel analysieren, sonst merkt man sich am Ende zu viel und verzettelt sich auch möglicherweise. Man muss irgendwo auch sein eigenes Spiel spielen, da man sonst die Spieler in den eigenen Reihen zu stark einschränkt. Es braucht Struktur, um das Teamplay zu gewährleisten, aber auch Freiheit für die einzelnen Spieler, damit diese sich entfalten können. Es gibt Utility, die sehr viel geworfen wird und dadurch wenig Aussagekraft hat, weil sie in vielen Defaults vorkommt. Dann gibt es aber auch Utility, die absichtlich gelevelt wird, um genau diesen Eindruck zu vermitteln.

Als Zuschauer fragt man sich manchmal: Wieso bringen die jetzt diesen Move? Zuschauer sehen natürlich nicht immer hinter die Kulissen, denn sie wissen ja nicht, welche Informationen vorhanden sind bzw. was die Mates gecallt haben.”

Welche Rolle spielt die Meta von CS bei Gegneranalysen?

“Man kann Aimduelle gewinnen und es insgesamt schlecht gespielt haben. Man kann alles richtig machen und die Runde trotzdem verlieren. Das ist einfach CSGO. Das macht das Spiel so attraktiv. Daraus folgt, dass gutes Aiming zu viele Fehler verzeiht. Ich denke, dass genau deswegen auch viel zu wenige Spieler ihr Spiel dahingehend reflektieren.

In CSGO spielt die Meta generell eine wichtige Rolle, allerdings würde ich sagen, dass die Meta in CSGO etwas versteckter ist. Einige Sachen sind natürlich sehr offensichtlich, wie z.B. der AUG-Buff. Was die Leute aber immer erst nach und nach sehen sind die langfristigen Auswirkungen: Der Buff der CT-Seite durch die AUG führt auch zu neuen Positionen und Möglichkeiten.

Ein Waffenchange kann schon viel bewirken: Es gab Zeiten, da war die CZ sehr stark, oder die Tec9. Je stärker eine bestimmte Waffe ist, desto mehr verschiebt sich der Fokus der Meta auf diese eine Waffe. Dann gab es die Zeit, in der Astralis eine Art Mapkontrolle geprägt bzw. eingeführt hat. Davor wurde CS immer sehr executelastig gespielt, bzw. sehr frei. Man denke dabei an die FNATIC-Ära. JW hat den Weg durch seine Moves vorgegeben und seine Mates haben auf seine Plays reagiert.

Somit entwickelt sich das Spiel immer weiter und man muss sich aktuell auch anschauen, in welcher Meta man überhaupt spielt. Jetzt gerade ist die SG sehr stark auf der T-Seite, während die AUG nochmal generft wurde. Auch die Economy spielt momentan eine große Rolle und im Kaufverhalten der Teams wird bestimmt noch viel ändern.

Man sieht schon, dass es nach den Waffenänderungen jetzt an die Economy geht. Der Spielstil muss sich anpassen und immer weiter perfektioniert werden.”

Wer übernimmt bei Euch die Analysen? Wie zeitaufwändig ist das?

“Eigentlich alle und teilweise schauen die Jungs auch zusammen Demos. Ich persönlich schaue mir Dinge an, auf die mich manchmal auch die Spieler selbst hinweisen. Dafür nutze ich häufig Demotools.

MaRky macht sehr viel, seit er im Team ist, aber es bringen sich bei uns wirklich alle ein. Ich war auch schon in Teams, in denen nur einer allein was gemacht hat. Das ist natürlich kontraproduktiv.”