Kanani: “Der Wechsel vom Coach zum Spieler fiel mir nicht schwer.”
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Kanani: “Der Wechsel vom Coach zum Spieler fiel mir nicht schwer.”

Jul 18 Adrian  

Vor wenigen Tagen haben wir Euch Kanani bereits in einem Video vorgestellt. Wir haben uns nochmal mit ihm zusammengesetzt und über den Verlauf der aktuellen Saison gesprochen.

Hallo Kanani! Wie war es für Dich, nach deiner Coachingphase nochmal selbst zu spielen?

“Ich denke, dass ich durch den erneuten Übergang vom Coaching zum Spielen eine bessere Wahrnehmung habe, wenn es um Dinge wie die Ingameperformance geht. Auch bei Belangen außerhalb des Games fühle ich mich durch meine Zeit als Coach fitter. Ich weiß jetzt, wie man am besten miteinander umgeht, denn als Coach trainiert man diese externe Perspektive tagtäglich! Es werden einem einfach Dinge bewusst, die man als Spieler so vielleicht nie wahrgenommen hätte.

Um wieder in Form zu kommen, habe ich sehr viel SoloQ gespielt, obwohl ich das eigentlich schon immer viel getan habe. Ich bin der Meinung, dass SoloQ ein sehr wichtiger Faktor des Erfolg ist. Der Wechsel vom Coach zum Spieler fiel mir daher auch nicht schwer.”

Unterstützt Du als ehemaliger Coach MenQ bei seiner Arbeit?

“MenQ spezialisiert sich derzeit auf das Spielgeschehen an sich und ich denke, dass ich ihm durchaus helfen kann, wenn es um die Perspektivenvielfalt geht. Was das anbelangt, bin ich durchaus erfahren. Gemeinsam mit Noxiak, der früher auch mal Coach war, geben wir MenQ auch selbst mal Input, um bestmögliche Ergebnisse zu erreichen. Wir arbeiten wirklich Hand in Hand.”

Wie würdest Du die Dynamik Eures Lineups beschreiben?

“Ich denke, dass wir derzeit noch nicht so schnell darin sind, neue Champions zu lernen. Auf der anderen Seite einigen wir uns aber ziemlich schnell und konstruktiv. Es gibt wenig Meinungsverschiedenenheiten, sondern unsere Diskussionskultur ist wirklich sehr gewinnbringend. Was die teaminternen Absprachen anbelangt, befinden wir uns in meinen Augen auf einer Wellenlänge.”

MenQ hat mouz als einen der stärksten Gegner bezeichnet. Ihr konntet in den SINN League Playoffs 2-0 gegen sie gewinnen. Bist Du mit der Leistung zufrieden?

“Ich denke, es wäre durchaus nochmal ein anderes Match gewesen, wenn sie nicht mit einem Substitute im Jungle gespielt hätten. Im Großen und Ganzen bin ich mir aber sicher, dass wir auf den anderen Lanes unser Potenzial zeigen konnten. Unser Ziel war es immer, in die Top-4 zu kommen, daher sind die Ergebnisse bis dato auch zufriedenstellend. Ich würde uns definitiv als contender bezeichnen, gerade weil wir momentan sehr zuversichtlich in Bezug auf unsere individuellen Leistungen sind.

Speziell gegen mouz haben wir eine gute Strategie gefunden und geschaut, wie unsere Gegner damit umgehen. Um das Match zu gewinnen, haben wir alle möglichen Szenarien einkalkuliert und dann auch wirklich eine gute Performance gezeigt.”

Der Start in der Premier Tour ist Euch auch geglückt. Gestern habt Ihr dann leider ein Match verloren. Wie kam es dazu?

“Das Problem bzw. die Schwierigkeit der Premier Tour liegt meines Erachtens im Best-of-1-Format. Man muss sich viel akribischer auf einzelne Matches vorbereiten, denn in der ESLM kann man z.B. mehrere Strategien einstudieren. Für die Premier Tour muss natürlich alles einkalkuliert sein, da das Format immer auch eine Überraschung parat haben kann. Im letzten Match gegen adhoc haben wir eigentlich deutlich besser gespielt als letztes Mal. Ab einem gewissen Zeitpunkt haben wir das Spiel dann aber aus der Hand gegeben. Ich bin mir aber sicher, dass das nächste Match nochmal besser wird!”

In der deutschen Szene scheinen die Teams relativ nahe beieinanderzustehen. Kommt es daher tatsächlich auf die Vorbereitung an oder doch eher auf die individuelle Tagesform?

“Die Vorbereitung macht ca. 50% aus. Alles andere wird dann durch die individuellen Leistungen bestimmt. Demnach hängt ein Match durchaus von der Tagesform ab, denn manchmal spielt man auf “Autopilot”, während man in anderen Matches durch eine viel bessere Sinneswahrnehmung auffällt. Bei mir ist es z.B. so, dass ich in der Regel in Officials “überperforme”, während ich in Scrims eher eine moderate Leistung an den Tag lege.

Insgesamt würde ich nicht behaupten, dass dies ein Nachteil der deutschen Szene ist. Ich finde es ehrlich gesagt gut, dass auch vermeintlich schwächere Teams in der Lage sind, gute Leistungen zu erbringen. Die deutsche Szene ist in Bezug auf Wettbewerbe wirklich sehr aktiv und konkurrenzorientiert. In anderen Ligen streiten sich häufig wenige Teams um die ersten Plätze – bei uns hat fast jedes Team das Potenzial, in die Top-3 zu kommen.”

Woran willst Du persönlich noch arbeiten und wie schätzt Du Eure Chancen für diese Saison ein?

“Ich persönlich möchte insgesamt mehr Verantwortung übernehmen und mehr Disziplin an den Tag legen. Dabei geht es nicht nur um das Spiel selbst, sondern auch um Aspekte außerhalb des Spiels: Gerade im Bereich des Teamzusammenhalts möchte ich noch mehr tun.

Mit Blick auf die Saison gehe ich davon aus, dass wir gegen alle Teams weiterhin eine gute Chance haben. Mit der richtigen Vorbereitung sollten wir alle Aufgaben meistern können. Selbst die Jungs von Schalke, gegen die wir bereits verloren haben, können wir schlagen. In den Matches hat man das bereits gesehen, denn eine Zeitlang haben wir das Spiel in der Hand gehabt. Wir müssen jetzt weiter konzentriert trainieren, um gute Resultate einzufahren. Allerdings muss man auch sagen, dass die Szene eben sehr dynamisch ist und alles möglich ist! Dennoch: Top-2 bzw. Top-3 muss drin sein, der Titelgewinn wäre natürlich optimal!”

Abschließende Worte?

“Ich würde mich gerne bei allen Fans für die Unterstützung bedanken. Es ist immer schön und motivierend, wenn die Community uns anfeuert. Auch bei den Sponsoren und Verantwortlichen von EURONICS Gaming möchte ich mich bedanken, denn erst durch sie ist es uns möglich, so professionell zu arbeiten. Die Unterstützung ist wirklich herausragend und ich fühle mich hier gut aufgehoben.”