Kommunikation – Ruhe, bitte!
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Kommunikation – Ruhe, bitte!

Nov 09 Adrian  

Kommunikation – Ein Thema, über das unheimlich viel gesprochen wird. Wen wundert’s? Es geht schließlich auch ums Sprechen. In einem Team. In Counter-Strike.

Wenn es einer weiß, dann unser Coach Duck. In einer weiteren Folge unserer Counter-Strike Theorie-Serie erklärt er uns, worauf es bei guter Kommunikation ankommt und wann es vielleicht auch angebracht ist, nicht zu kommunizieren.

Was ist Kommunikation eigentlich?

Als Coach eines Counter-Strike Teams stellt sich mir natürlich vor allem die Frage, was Kommunikation in Bezug auf CS ist. Ganz allgemein könnte man darunter den Austausch von Informationen verstehen, der verbal oder non-verbal ablaufen kann. Virtuell – also in CS – findet verbaler Austausch über Teamspeak oder den Chat statt. Wenn es um Kommunikation im virtuellen Bereich geht – und in unserem Fall Counter-Strike -, dann muss man sich vor Augen halten, dass jeder Spieler nur seinen eigenen Screen und seine eigene Soundrange besitzt und somit nur eine bestimmte Soundinfo hat (Footsteps der Gegner z.B.). Jeder Spieler hat einen anderen Fokus. Das ist entscheidend, um den Stellenwert der Kommunikation zu verstehen.

Stichwort! Warum ist Kommunikation so wichtig?

Man kann Informationen weitergeben, die andere nicht haben. Dadurch können die Spieler ihr Spiel entsprechend anpassen. Ein Beispiel: Möchte man eine Seite auf der Map ausschließen, indem man sich z.B. flasht, um entsprechende Informationen zu bekommen, dann hat dies auch eine Auswirkung auf den Gegner, denn dieser hört nun, dass z.B. Banane geflasht wurde. Somit weiß der Gegner, dass man möglicherweise Banane geflasht hat, um zu checken, ob da jemand steht. Mit dieser Gegnerinfo kann man auch seine eigene Info erweitern. Im Anschluss spricht man sich bezüglich darauffolgender Reaktionen ab. Auch das Covern von Anglen oder das Aufbauen von Crossfiren spielt eine Rolle. Insgesamt macht das Deuten der Informationen die Kommunikation so wichtig.

Beim Covern von Anglen kommt es beispielsweise darauf an, dass dein Mate sich auf dich verlassen kann, wenn du ihm das Halten der Flanke zusagst. Jeder hat – wie eben schon gesagt – nur seinen eigenen Screen. Kommunikation erweitert also die Möglichkeiten jedes Spielers.

Wann wird kommuniziert und wann nicht?

Grundsätzlich beginnt die Kommunikation vor dem Spiel und endet nicht nach dem Spiel. Es wird immer kommuniziert. Die Kommunikation wird lediglich stellenweise ausgesetzt – im Optimalfall!

Nicht kommuniziert wird immer dann, wenn Spieler Steps hören müssen oder wenn sie sich in einem 1 v X befinden. In der Theorie bedeutet das: Nicht kommuniziert wird dann, wenn jeder dieselben Informationen hat. Auch hier gibt es Ausnahmen, denn es kann vorkommen, dass ein Mitspieler eine Aktion möglicherweise falsch einschätzt oder Dinge nicht erkennt. Manchmal fällt einem selbst auch nicht auf, dass man der einzige überlebende Spieler ist. Solche Problemsituationen werden durch Kommunikation gelöst.

Ist Kommunikation dem IGL vorbehalten?

Nein, aber der IGL hat das erste und letzte Wort. Er kann jederzeit alle Spieler überstimmen. Es gibt allerdings Situationen, in denen Spieler Chancen ohne Absprache ergreifen, weil sie eben nur ein Zeitfenster von wenigen Sekunden haben. In solchen Momenten übernimmt der jeweilige Spieler dann die Verantwortung.

Was sind Zeichen guter und was Zeichen schlechter Kommunikation?

Gute Kommunikation herrscht dann, wenn alle im Team wissen, wann sie reden können, bzw. wann nicht. Manche Informationen sind in der jeweiligen Situation wichtiger als andere und somit liegt es an den Spielern, zu erkennen, wann welche Information angebracht ist, wann sie unverzichtbar ist und wann sie sogar störend sein kann. Es braucht ein gewisses Feingefühl und Gespür dafür.

Beispiel: Wenn 2 Mates einen Move spielen, dann hat ihre Kommunikation Vorrang. Wenn der IGL etwas ansagt, dann hat dies Vorrang. Im Prinzip gibt es aber keine festen Regeln, sondern das Team muss darauf achten, ob Runden verloren gehen, weil bestimmte Informationen gefehlt haben oder nicht ankamen – auch das lässt sich wieder nur durch Kommunikation erkennen.

Jeder Spieler kennt bestimmt die Standardsätze von seinen Mates: “Ich dachte, du hättest dort gecheckt.”, “Ich dachte, der kann da nicht stehen.”, “Ich dachte, du ziehst mit mir rum.”, “Ich dachte, der hat low HP.”, … usw. Dies sind alles Szenarien, die durch gute Kommunikation vermieden werden können.

Welche Faktoren spielen bei Kommunikation eine Rolle?

Wichtig ist auch hier die Teamchemie, zu der wir bereits ein Interview geführt haben. Die Stimmung muss einfach gut sein. Es ist auffällig, dass mehr geredet wird und es insgesamt lebhafter zugeht, wenn es gerade gut läuft. Die Stimmung, die gerade herrscht, kann eine Auf- bzw. Abwärtsspirale bedeuten.  Im Endeffekt kann dies wiederum Einfluss auf das “Momentum” haben, über das in CS so viel geredet wird.

Wichtig ist zudem die Konstellation von Spielern und Charakteren. Man muss darauf achten, eine gute Mischung aus aufgeweckten und ruhigen Spielern zu haben. Man braucht Leute, die hypen können und ihre Mates auch mal pushen können, wenn die Stimmung kippt. Auf der anderen Seite braucht es auch Ruhepole, die dafür sorgen, dass es nicht zu unruhig wird. Der Ausgleich ist wichtig. In einer solchen Konstellation schaffen die ruhigen Spieler im Teamspeak z.B. auch Raum für diejenigen, die mehr reden.

Die Stimmung im Team und die Kommunikation kann man metaphorisch als Waage betrachten. Wenn diese im Gleichgewicht ist, dann läuft es optimal. Es sollte nicht zu viel Trashtalk geben, es braucht aber auch Lacher, es braucht natürlich auch das Kommunizieren wichtiger Informationen. Wichtig ist, dass das Team den Fokus behält, nicht zu leichtsinnig spielt, aber dennoch selbstbewusst auftritt.

Als Coach sehe ich mich oft als ausgleichenden Faktor. Man muss ein Gespür dafür haben, in welche Richtung es ausschlägt, um sich dann auf die schwächere Seite zu schlagen und den Gegenpol zu stärken. Ab und an muss man beispielsweise einen maRky oder pdy bremsen, während man einen Seeeya manchmal pushen muss.

Wie kann man Kommunikation trainieren?

Prinzipiell denke ich, dass einige Teams durchaus an schlechter Kommunikation scheitern können, da der Stellenwert der Kommunikation in meinen Augen häufig unterschätzt wird.

Kommunikation kann man dadurch trainieren, dass man viel darüber spricht. Reden ist – wie so oft – das A und O. Durch das viele Reden wird deutlich gemacht, wann welche Information wichtig ist. Im Extremfall, also wenn die Kommunikation wirklich nur rudimentär vorhanden wäre und wirklich schlecht wäre, dann könnte man sogar Ansätze verfolgen, bei denen z.B. nur der Teamspeaksound an ist, während der Gamesound aus ist, oder umgekehrt.

Wird in ESG-Officials geflamed?

Eins vorweg: Für mich ist “Flame” ein Unwort. Das Problem ist oft, dass sich Leute auf der einen Seite schwertun, kritisiert zu werden. Auf der anderen Seite wissen die Kritisierenden häufig nicht, wie man richtig kritisiert. Dies ist in der Regel dann sogar noch problematischer. So, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Man kann sich das ganz gut als Sender-Empfänger-Modell vorstellen.

Grundsätzlich handelt es sich oft um schlecht verpackte Kritik, d.h. sie kann z.B. zu laut sein, nicht konstruktiv oder von Enttäuschung geleitet sein. Dadurch wäre sie dann nicht mehr wertfrei. Auf Kritik dieser Art wird dann häufig mit der Aussage “Du flamest” reagiert, obwohl der flamende Spieler es im Kern eigentlich gut meint und die Absicht hat, das Spiel zu verbessern.

“Flame” im eigentlichen Sinne ist für mich das stupide Beleidigen, das unter die Gürtellinie geht und zum Ziel hat, andere zu kränken, bzw. das billigend in Kauf nimmt. Das ist bei uns noch nicht vorgekommen und wird hoffentlich auch so bleiben. Natürlich wären nur “echte” Calls ein Traum, aber in jedem Team gibt es eigentlich Ansätze des “Complainens”. Diesem Beschwerdeverhalten einiger Spieler wird teilweise zu wenig Beobachtung geschenkt und viele Spieler sind sich auch der Auswirkungen dessen nicht bewusst. Unter “Complainen” fällt z.B. das Aufstöhnen nach einer Aktion, Kommentare wie “man”, “was ein lowmove”, “ich treff heute nix”, “da geht nix rein”, usw. Entweder wird also der Gegner geflamed, der Server, oder man selbst. “Complainen” zielt weniger auf die Mitspieler ab, aber hat dennoch eine große Auswirkung auf die Mates, denn die negativen Kommentare stecken an. Bevor ihr also das nächste Mal complaint, motiviert euch selbst und eure Mates lieber, sich nochmal richtig reinzuhängen.