Vom Tischler zum Videograf
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Vom Tischler zum Videograf

May 14 Adrian  

Heute geht es um die Menschen, die hinter den Kulissen von EURONICS Gaming stehen. Es geht um diejenigen, die die Spieler aus dem Hintergrund heraus unterstützen und dafür sorgen, dass unsere Fans an der Organisation EURONICS Gaming teilhaben können. Es geht um Melo Maisano.

Wie wird man eigentlich Videograf und wie findet man seinen Weg in den E-Sport?

“Ich bin Melo, Videograf für EURONICS Gaming, 29 Jahre alt. Ich komme aus Remscheid und bin jetzt seit etwa einem Jahr bei ESG.”

Melo ist mehr oder minder durch Zufall zu uns gestoßen. Nach einer beruflichen Veränderung ist Kevin, unser CEO, auf Melo aufmerksam geworden.

“Ich habe bereits vor meiner Festanstellung bei ESG Videos für die Organisation gedreht. Nachdem ich etwa 10 Monate in Bayern gearbeitet hatte und nach Remscheid zurückgekehrt bin, hat Kevin mich kontaktiert. Wir haben uns daraufhin getroffen, gut verstanden und relativ schnell auf eine Zusammenarbeit geeinigt.”

Zum E-Sport kam Melo ebenfalls eher per Zufall. Ausgehend von einem Youtube-Projekt innerhalb seines Freundeskreises hat er den Weg in den E-Sport gefunden, nachdem die ESL auf die Videos aufmerksam wurde.

“Meine Freunde habe ich bei ihrem Youtube-Unterfangen vor allem in technischen Angelegenheiten unterstützt. Hier und da habe ich auch mal gefilmt, meine Kamera mitgebracht und aktiv mitgewirkt. Als wir dann gefragt wurden, ob wir dem ESL Videonetzwerk beitreten wollen, begann für mich der Weg in den E-Sport. Es folgte das erste Event, das ich mit einer Kamera begleiten durfte: Die ESL Meisterschaft, die damals noch als EPS bekannt war, bzw. als “Deutschlands beste Gamer”.”

Das Hobby entwickelte sich immer mehr zur Berufung von Melo: Mit EPW (E-Sport, Progaming, Whatever) gründete Melo gemeinsam mit anderen E-Sport-Begeisterten das erste eigene Projekt.

“EPW war eher als “Spaßprojekt” angelegt. Wir wollten den Leuten den E-Sport näher bringen und Interviews bzw. die Berichterstattung an sich nicht so trocken halten. Damals waren unserer Meinung nach die meisten Newsoutlets zu trocken. Für uns war es wichtig, die Dinge humorvoll anzugehen. Unser Hauptgedanke war: So hautnah wie nur möglich von Events berichten, d.h. kurze, spontane Interviews mit Spielern und Besuchern auf Events zu machen. In vielen Interviews, die wir gedreht haben, finden sich auch mal Fragen, die eigentlich nicht direkt etwas mit dem Event zu tun haben. Genau durch solche Aspekte wollten wir die Interviews spannender gestalten. Wir haben auch immer versucht, die Videos vor Ort zu schneiden und direkt hochzuladen, um die Stimmung eines Events fast schon live an die Zuschauer weiterzugeben.

Nach einiger Zeit kam es dann zum ersten Kontakt mit ESG. Melo hat – damals noch unter EPW – bereits Videos für ESG gedreht, beispielsweise aus dem Gaminghaus. Er hat sogar unser damaliges League of Legends Team auf die Comic Con nach Österreich begleitet.

“Man hat sich nach und nach besser kennen gelernt. Ich bin eigentlich eher schrittweise zu ESG gekommen.”

Das Phänomen E-Sport

“Ich war 2014 auf meinem ersten Event und habe gleich gemerkt, dass die Leute wirklich cool drauf sind. Auch bei den Interviews waren alle witzig und haben gute Antworten gegeben. Als ich dann das erste mal auf der ESL One war, kam ein wirklich überwältigendes Feeling auf. Ich habe gemerkt, dass ich mich in der Szene wohlfühle und es mir Spaß macht, Events zu besuchen.

Der Zusammenhalt im E-Sport ist – wenn man das Toxische mal außen vor lässt – wirklich gut. Das gefällt mir und verbindet mich mit der Szene.”

Filmen bedeutet für Melo, die Stimmung auf Events einzufangen. Angefangen hat er mit einer Videokamera, die die Filme noch auf kleinen Kassetten aufgezeichnet hat.

“Die will ich unbedingt mal raussuchen und als Deko in meiner Wohnung aufstellen.”

Der Weg zum Filmen

Melo hat, bevor er professionell gefilmt hat, zunächst 10 Jahre Musik gemacht. Mit seinen Bands war er sehr viel unterwegs, aber auch da war eines schon immer dabei: Eine Kamera.

“Unsere Auftritte haben wir mit einer Gopro gefilmt, die wir auf die Bühne gestellt haben. Aus den Aufnahmen haben wir dann im Nachhinein einen Zusammenschnitt erstellt.”

Nach seiner Ausbildung zum Tischler begann er mit einem Studium der Medientechnik, auf das er durch einen Schnupperkurs aufmerksam wurde.

“Das Studium war auf jeden Fall interessant, aber die Dinge, die vermittelt wurden, kannte ich eigentlich schon. Als sich während meines Studiums das Ganze mit EPW ergab, habe ich das Studium dann abgebrochen und mich voll und ganz aufs Filmen konzentriert.”

Als Autodidakt hat sich Melo alles selbst beigebracht: Youtube-Tutorials, Internetrecherchen – all das hat ihm dabei geholfen, immer besser zu werden.

“In der heutigen Zeit kann man sich wirklich alles selbst beibringen. Wichtig ist, dass man seine Kamera einfach mal in die Hand holt, filmt und ausprobiert. Nur vom Ansehen von Tutorials wird man nicht besser. Natürlich macht man am Anfang nicht die besten Videos, denn man muss sich wie in jedem anderen Job auch in die Materie einarbeiten. Ich schaue heute noch auf meine ersten Videos zurück und denke mir: Wow – zum Glück bin ich jetzt weiter als vorher! ;-)”

Emotionen, Emotionen, Emotionen

“Beim Filmen gefällt es mir besonders, die Emotionen auf Events einzufangen. Natürlich ist das auch immer abhängig von den Leuten vor Ort, denn gerade bei Spielern, die als Profis jetzt nicht unbedingt bei jeder Aktion ausflippen, ist es natürlich schwieriger, Emotionen festzuhalten. Gerade beim Publikum hat man als Videograf aber die Möglichkeit, Emotionen für die Ewigkeit festzuhalten. Wenn ich mir im Nachhinein dann Videos ansehe, freut es mich immer, noch genau zu wissen, warum die Person so ausgerastet ist.”

Dass das Filmen nicht immer ganz leicht ist, weiß Melo ganz genau. Er bezeichnet sich selbst als Perfektionist.

“Dass bei mir immer alles perfekt sein muss, ist natürlich Fluch und Segen zugleich. Ich finde im Nachhinein immer etwas, was ich noch verbessern könnte. Wenn man so sehr auf Details achtet wie ich, dann ist das schon sehr zeitintensiv. Manchmal fällt es mir schwer, einen Mittelweg zu finden, denn Videos müssen natürlich auch zeitnah fertiggestellt werden.”

Come and watch, I’m live!

“Eins meiner größten Hobbys ist definitiv die Musik. Ich war lange Zeit als Shouter in Bands aktiv, allerdings hat sich das 2016 etwas verlaufen, weil man sich nach und nach auseinandergelebt hat. Seit ich im E-Sport bin, habe ich aber ein neues Hobby für mich entdeckt. Ich streame sehr gerne, weil es mir Spaß macht, zusammen mit Leuten zu quatschen und diese zu unterhalten. Außerdem sehe ich Parallelen zur Musik: Auch als Shouter stand ich auf Bühnen, habe Leute unterhalten und mich im Anschluss am Merch-Stand mit diesen unterhalten. Dabei habe ich viele neue Leute kennengelernt. Genau das gibt mir auch das Streamen. Man zockt gemeinsam, man quatscht parallel dazu mit dem Chat, man lernt neue Leute kennen, tauscht sich aus.

What next?

“Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, wo ich mich in der Zukunft sehe. Da ich jemand bin, der nichts für die Ewigkeit macht (ich habe bereits viele verschiedene Dinge in meinem Leben gemacht), kann es durchaus sein, dass ich irgendwann etwas Neues ausprobieren möchte. Ob so ein Zeitpunkt kommt, weiß ich nicht. Jetzt allerdings möchte ich weiter Videos produzieren. Mein Ziel ist es, größere Dokus zu filmen, ob im E-Sport oder in anderen Bereichen. Ein 30-45-minütiger Film mit spezifischem Fokus auf ein Thema wäre schon eine feine Sache. Ich würde gerne im Sinne eines Storytellings einen breitgefächerten Blick auf ein Thema geben. Mal sehen, was die Zukunft bringt.”